[[bericht1993]] MonsterwandererWiki

Route:

image 1993 war das eigentliche Geburtsjahr der Monsterwanderer. Dennis und Christof wollen einmal GR20 durch Korsika laufen. Begeistert durch dieses Erlebnis hat sich im Laufe der kommenden eine doch stattliche Anzahl von weiteren Touren und Mitwanderern ergeben. Aber der Reihe nach...
19. September 1993 Einstieg
Einen Tag nach Frank T.s Hochzeit fahren Dennerl und Stofferl mit dem Zug von TUT nach Genua. Nach einen romatischen Spaziergang durchs nächtliche Hafenviertel treffen wir auf unserer Corsica Ferry ein. Mit Schachspielen und Bier war der Abend dann mehr als ausgefüllt. Wir schliefen entspannt den Schlaf der Gerechten wir wussten ja noch nicht genau, was wir uns vorgenommen hatten.


20. September 1993 Auberge de la Fôret hoch zur Carozzu Hütte
Ankunft in Bastia, hoch zum Bahnhof und mit dem feurigen Elias ab nach Calvi. Malerische Fahrt (logo) zeilweise am Strand entlang. Wir sitzen bei geöffneter Tür und lassen die Beine aus dem Zug baumeln. Damals ging das noch. Dann Taxi zur Auberge de la Fôret, ein schnelles Bier und los gehts, wir wollen schliesslich noch bis zur Corrozu Hütte aufsteigen. Im Einstieg sehen wir zwei weitere Deutsche, die doch tatsächlich mit Teleskopstöcken unterwegs sind, diese weicheirigen Weicheier. Pffffff..... ,sowas braucht ein echter Mann nicht und so stiefeln wir los, in kurzen Hosen bzw. Jeans und ohne eine Idee, was in den nächsten Tagen auf unszukommen wird. Nachdem wir ein paar Stunden später an der Hütte ankommen, beginnen die Lektionen. Hütte voll und Bier gibts nur auf einem Schild. Na supi ! Also dann Miracoli und ins Bett.
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21. September 1993 Carozzu nach Haut Asco
8:00 Uhr Abmarsch, damals wurde noch richtig gewandert, nicht von Bierbaude zu Bierbaude wie heute. 3 Stunden Aufstieg, recht anstrengend, aber tolle Aussicht. Unsere Rucksäcke sind viel zu schwer und ich meine "viel zu schwer". Wir haben jeder rund 18 Kilo in geliehenen Rucksäcken. Im Laufe des Tages wird mein Beckengurt noch abreissen, aber wie gesagt, es stehen uns noch weitere Lektionen bevor. 600 Höhenmeter Abstieg nach Haute Asco, aber es gibt hier ein Hotel und Bier. Deswegen sind die stechenden Schmerzen in meinem Knie nur halb so wild. Dennis hats auch am Knie, wir humpeln synchron. Nach einem lecker Abendesssen und meiner wohlverdienten 3:2 Führung im Schach-Kontest, legen wir uns aber so was von malerisch ins Freie unter einen klaren Sternenhimmel, der alle Strapazen vergessen lässt. Eigentlich ist alles sehr geil.
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22. September 1993 Haut Asco...
So, heute ist nun aber wirklich Männer- bzw. Monstertag. Lieblicher Aufstieg ~ 1.200 m und danach die läppischen 1.100 m wieder runter. Hahaha, was mache ich eigentlich hier ? 8:15 Uhr Abmarsch. Wir haben gestern abend wirklich nur 2 (!) Bier getrunken, ich habe die Rechnung noch. 3 Stunden die Skipiste hoch bis zu dem, was von der Altore-Hütte noch übrig ist. Dann gigantische Kletterpartie am Mone Cinto-Massiv runter und wieder hoch auf 2.300 m. Die Bilder zeigen recht gut, wies war. Da ging mir dann doch die Düse, wir zwei Penner in kurzen Hosen, ausgelatschte Wanderschuhe und sonst auch keinen Plan. Aber zum Glück war schönes Wetter und ein Haufen Leute unterwegs. Da darf man sich nicht als Schwächlicng zeigen, deswegen meistern wir die Königsetappe selbstredend mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber so ein paar Stöcke, das wäre was. Werde ich mir schenken lassen, denn im Sportgeschäft selbst kaufen, das sieht nicht aus...
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22. September 1993 ... Bergeries de Ballone
Von der Bocca Minuta geht es wieder über geröllige, rutschige und felsige (mit kleinen Kletterstellen) 600 m abwärts zum Refuge de Tighjettu. Da es hier aber nur wenige schöne Zeltplätze gibt und ein etwas kloakiger Duft in der Luft liegt, gehen wir noch eine halbe Stunde weiter talauswärts hinab zu den Bergeries de Ballone. Da diese direkt am GR 20 liegt, bedeutet dies für die morgige Etappe eine halbe Stunde weniger. Hier gefällt es uns auf Anhieb viel besser! Denn es gibt Bier, teuer aber kalt. Wir hocken auf der Terasse und ich beschliesse, die kommenden Tage an diesem lieblichen Ort zu bleiben. Zum Abendessen gibt es keine Leberwurst, da der Inhalt der Dose beim Öffnen bereits relativ ekelhaft davonspritzt (!) Spritzende Wurst, was es in Korsika nicht alles gibt. Wir schlagen unser Nachtlager innerhalb eines geräumigen Steinwalls (zum Schutz gegen gefräßige halbwilde Hausschweine) auf. Wir schlafen um 21:30 Uhr. Kein Wunder.

23. September 1993 Bergeries de Ballone zum Castello di Verghio
Es regnet. Der liebliche Ort ist plötzlich nicht mehr soooo anziehend und wir starten. 600 Höhenmeter Aufstieg und das Gleiche wieder runter durch eine wunderschönes Tal. In Bucca die Vergio kommen wir gegen 17:00 Uhr an und decken uns mit Bier uns Schweinepenis (Wurst) ein. Im Castel die Vergio angekommen, fängt es an zu pissen wie Sau, sagt Dennis. In den Nachrichten (es gibt TV) sehen wir die Überschwemmungen an. Wir bezahlen 450 FF und rufen Mike an, dass er uns gefälligst Geld schicken soll. Mein Gott, wir haben am 4.Tag schon kein Geld mehr, wir Anfänger. Naja, wird schon.
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24. September 1993 Zur Manganu Hütte
Heute steht die Route über den Lac de Nino an, an dem es eine Haufen Wildpferde geben soll. Wünderhübsch, aber es regnet. Dennis bringt mir Frühstück ans Bett, bettelt und solaufen wir dann bei strömendem Regen weiter. Mir läuft die Brühe ins Kreuz (Nächste Lektion: Ein Regenjäckchen ist nichts für den GR20, denn nicht richtig wasserdicht). Aufstieg, Nebel, kalter Wind (Nächste Lektion: Ein Regenjäckchen ist nichts für den GR20, denn nicht richtig winddicht.) Der Lago de Nino entschädigt allerdings füreiniges. Abwärts durch ein idylisches Tal an bunten (ja mehrfarbig!) Bäumen vorbei zur Manganu Hütte.
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25. September 1993 Manganu Hütte nach Corte - Die Hölle
Es war grauenhaft...
Nach einer echten Scheiss Nacht mit blöden Lörrachern (Lörrach, Entschuldigung !, aber es war echt schlimm), die die ganze Nacht stinken, husten und Sätze von sich geben wie "Gräuder derfsch ni in frisches Gmis machä" erwartet uns wieder beschissenes Regenwetter. Hmmm, die Aussicht mit diesen Nasen einen ganzen Tag in der Hütten verbringen zu dürfen, lässt uns trotz bindfäden-artigem Regen aufbrechen. Diese Etappe sollte die härteste, kälteste, schwerste und letzte werden. Schon nach einer Stunde sind wir selbstverständlich klatschnass und von dem durch Mark und Bein jagenden ca. -64 Grad kalten Wind doch etwas erschöpft. Dennis Knie wird schlimmer, das müssen meiner Meinung nach Erfrierungen sein. Aber der eiskalte und stürmige Wind ist das Schlimmste. Wir entscheiden an der entsprechenden Abzweigung (die wir Stunden gesucht haben) spontan, aus 2.200 Metern nach Corte abzusteigen. Hier unterscheiden sich Männer und Memmen wirklich. Wir Memmen laufen 2 h quasi direkt durch einen reissenden Bach, der uns lustigerweise, die nun auch viel spärlicher gesäten Markierungen überschmemmt. So verlaufen wir uns auch mehrmals im Nebel, eine echt malerische Etappe. Zum Glück haben wir keine Stöcke, die hätten wir sonst in echter SteffenM-Manier weit in die nasse Pampa geschmissen. Und Frauen schaffen das sowieso nicht, ganz klar. Endlich erreichen wir die ersten Bergerien, an denen eine Strasse ankommt. Wir überfallen ohne viel Worte eine Pärchen aus Colmar, setzen uns in ihren Jepp und verlangen ohen Widerrede gefälligst nach Corte gefahren zu werden.


In Corte schleppen wir uns zur Gîte d'etappe. Dort lecken wir unsere Wunden und sind nach diversen Bieren wieder soweit erholt, dass wir am abendlichen Fernsehprogramm und NudelMatschEssen teilnehmen können. Also das war schon ein Mist heute und nach ausführlicher Konsultation des Wetterberichts sowie der Meinung der Einheimischen Wetterpropheten ist die Wanderung eigentlich gelaufen. Ein Highlight waren die Gesichter sämtlicher Gäste des Cafés , vor dem wir triefend nass (und Dennis in seiner Ganzkörper-Mülltüte) aus dem Auto gestiegen sind. Genau in dem Moment kam die Sonne raus und wir machten nasse Fussabdrücke auf der trockenen Strasse. Sah gut aus.
Unsere Wanderung war jetzt doch etwas kürzer, als wir uns das vorgestellt haben, aber auch deutlich intensiver. Im Nachhinein war Weiterlaufen und dann Absteigen die richtige Entscheidung, auch wenns gefährlich und eiskalt war. Aber in den Bergen war es die nächsten Tage genauso, wir haben später Wanderer getroffen, die mehrere Tage in den Refuges verbringen mussten. Und das ohne Bier ! Also eigentlich alles richig gemacht. Ich nehme wir aber vor, nochmal zu kommen und den Rest des GR20 zu laufen. Es war wirklich ein Erlebnis und während wir noch die nächsten Tage auf Campingplätzen verbringen und es uns gut gehen lassen, denken wir doch dauernd dran, das wir gerne weiter gegangen wären. Egal, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Gefälligst !
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bericht1993, Rev. 21, Zuletzt geändert 2007-01-31 21:27, 1569 Aufrufe
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